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| Travesta - Forum |
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Von Alexxxx 14 Beiträge bisher
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Wie die Dysphorie mein Leben diktiert
Es ist für mich ein hochkomplexes Thema, welches kaum noch zu überblicken ist.
Ich weiss absolut nicht wo ich anfangen und wo ich aufhören soll zu erzählen. Aber ich gehe es mal ganz locker an.
Vor über einem Jahr schaute ich mir ein Video in YT an, über das Thema Transidentität, in diesem Video wurde sehr ausführlich erklärt woran man erkennt das man „möglicherweise“ Trans sein könnte und was genau Dysphorie ist. Kurz gesagt ich erfüllte auf Anhieb rund 80% bis 90% von diesen Anzeichen in dem Video.
Viele dieser Anzeichen und Symptome, kamen mir sehr bekannt vor, nur konnte ich diese Jahrzehnte lang nicht richtig zuordnen und beim Namen nennen. Ich verdrängte es stetz. Aber ich merke seit dem letzten Jahr, das mir irgendwas Tag für Tag immer mehr meiner innere Kraft-Kapazitäten raubt und mir diese dann an anderen Stellen fehlen.
Aber nun möchte ich mal auf das Thema Dysphorie zusprechen kommen.
Schon seit meiner Kindergarten Zeit sehe ich im Spiegelbild eine mir fremde Person, das gleiche auf meinen eigenen Kindheitsfotos, dafür fand ich einfach keine Worte seiner Zeit.
Später ab der Pubertät bis heute kommt zu der „fremden Person“ noch zusätzlich Ekel empfinden hinzu. Dieser Ekel richtet sich gezielt gegen mehre Körperteile und Körpermerkmale von mir.
Besonders betroffen ist mein Gesicht, es ist schwer entstellt durch eine heftige Kieferfehlstellung, die sich in 90er Jahren nicht adäquat behandelt worden konnte. (Die Gründe dafür sind so vielfältig das die den Umfang dieses Thema komplett sprengen würden.)
Das kann man durch eine umfangreiche Kiefer-OP behandeln, aber meine Angst davor ist gigantisch hoch aufgrund der in meiner Kindheit erlebten jahrelangen „Zahnfolter“ durch Zahnärzte und Kieferorthopäden.
Aber was weitaus dramatischer ist, sind die Folgen dieser Kieferfehlstellung. Bereits nach der Grundschule wurde ich in der weiterführenden Schule fast 2 Jahre täglich dafür fertig gemacht, ich verlor dadurch alles: Meine persönliche Freiheit, meine Zukunft, denn ich hatte ab sofort große Angst alleine das Hals zu verlassen. Meine Schulnoten stürzten rapide ab. Daraufhin wurde ich auf eine Schule für Lernbehinderte versetzt (das wurde einfach so über meinen Kopf hinweg entschieden) und damit wurde mir meine komplette Zukunft verbaut und zwar sehr nachhaltig. Nach der Schule landete ich direkt in H4 und der Psychische Druck dieses damals gerade erschaffenden Perfiden Systems brach mir endgültig das Genick. Dauerhafte Erwerbsunfähigkeit!
Aber was noch viel schlimmer ist, das dieses Mobbing Ereignis genau in den Zeitraum von meinem 12 - 14 Lebensjahr hineinfiel und für den Seelischen Kipppunkt während meiner Pubertät sorgte.
Statt das ich mich in dieser Sensiblen Zeit hätte selbst finden können, kapselte sich mein inneres und äußeres von einander ab, während das steigende Testosteron alle meine Gefühle einbetonierte und betäubte. Mein Körper mutierte zu einem Fremdkörper, einer Gefühlstoten Körperhülle, wie ein Roboter, das kann man kaum in Worte beschreiben.
Der Blick in den Spiegel ist der absolute Dysphorie-Horror für mich und das seit meiner Pubertät, das sorge immer dafür das ich spiegel und auch Fotoaufnahmen stetz unterbunden habe, weit wie nur möglich. Nur um die Biometrischen Ausweis Fotos bin ich leider nicht herumgekommen.
Also, der Ausweis oder die Krankenkarte mit dem Foto darauf ist wirklich einer Gipfel der inneren Trigger-Eskalaition. Zum einen fühlt sich das Bild und der dazugehörige Name mir komplett fremd an, im nächsten Moment wird mir wieder mit aller härte klar gemacht, wie hässlich ich bin und wie schlimm ich entstellt mein Gesicht ist. Die unerwünschte Gesichtsbehaarung in Kombination mit dieser Kieferfehlstellung triggern das Ekelgefühl jedes mal auf ein höchstes maß hinauf und verursachen so eine Art virtuelle Selbstabwertung.
Um der Dysphorie etwas vorzubeugen arbeite ich mit Vermeidungsstrategien.
Dysphorie im Supermarkt:
Ich gehe ganz bewusst erst in den Abendstunden ab 20 Uhr in den Supermarkt, um meinen wöchentlichen Einkauf zu tätigen, so vermeide ich meistens eine innere Reizüberflutung.
Denn Weiblich aussehende Feminine Körper mit wunderschönen vollem langen Haaren triggern meine Dysphorie massiv. Mir wird dabei sehr unwohl und ich bekomme den Wunsch, meinen Körper mit dem Femininen Körper dieser anderen Person tauschen zu wollen. Und das Dauerhaft und unumkehrbar. Ich versuche so gut ich kann Begegnungen mit solchen Trigger Personen zu vermeiden.
Genauso vermeide ich die Begegnungen mit Jugendlichen, aufgrund von Retraumatisierung. Es kommt zudem regelmäßig vor, das ich von diesen Personengruppen oft ausgelacht werde oder hinter meinem Rücken getuschelt wird, wegen meinem entstellten Gesichtes. Das ist unvorstellbar schmerzhaft in der Seele und triggert sofort meinen Ekel vorm Spiegel wieder.
Nun, da ich sehr selten in den Spiegel schaue, weiss ich auch nicht das was in meinem Gesicht so alles passiert. Mir ist aufgefallen, schon von mehren Jahren, das die von innen gesendeten Körperbefehle (Emotionen + Gesichtsmimik) komplett verzerrt oder gar nicht in meinem Gesicht ankommen. Wenn mein Gesicht eigentlich auf Neutral stehen soll, lesen andere Personen in meinem Gesicht ab, das ich traurig, müde oder missmutig bin, das führt zu sehr unangenehmen Situationen. Ich schaffe es auch gar nicht mehr zu lächeln, selbst wenn ich es unter der enormen Dysphorie vorm Spiegel versuche.
Ich habe fast 2 Jahrzehnte Crossdressing mit Latex gemacht und mir ist bis vor gut einem halben Jahr gar nicht bewusst gewesen, das ich durch das tragen dieser Kleidung insbesondere mit Gesichtsmasken, meine Dysphorie und den Ekel komplett beseitigen kann. Plötzlich stimmt dann auch mein inneres ich mit der äußeren femininen Latexkörperhülle perfekt überein. Ich mag mich sehr im spiegel und auch auf Fotos. Aber sobald ich meine Maske absetze und schaue in den spiegel ist das wie ein harter Schlag in die Fresse, wieder dieses Ekelbild im Spiegel zu sehen.
Dysphorie beim Sparziergang:
Man möchte denken und meinen das ein Regelmäßiger Spaziergang in der Natur, entspannend für Körper und Seele ist. Aber die Realität ist anderes, egal ob ich 30 min, 1 oder 2 Stunden am Stück gehe, ich bekomme einfach meinen Kopf nicht mehr frei. Im Hintergrund läuft meistens dieser Film ab, wie es denn sein würde, wenn ich komplett feminin wie meine Trigger Vorbilder leben würde und wie viel es mir damit besser gegen würde und diese unüberwindbaren Probleme fehlendes Passing und wie die Kiefer-OP Angst.
Aber es ist auch oft ein großes Kneul an Gedanken Stau, Ängste und haufenweise ungelöster aufgeschobener Persönlicher Probleme aus den letzten 20 Jahren dabei. Und das aller schlimmste ist das ich absolut niemanden habe, mit dem ich irgendwie mal Reden oder geschweige denn anvertrauen kann. Schon seit Anfang des Jahres versuche ich vergeblich an Professionelle Hilfe(n) zu kommen, aber durch meine begrenzten inneren Kapazitäten an Konzentration, produziere ich auch sehr viel Murks bei dieser Suche und den Anfragen. Jetzt habe ich Kontakt zu einer „Ambulanten Psychiatrischen Assistenz“ aufgebaut, in der Hoffnung das man mir dort weiter helfen kann, etwas Ordnung in mein Chaos zu bringen.
Oft wird mir von anderen Beratungsstellen insbesondere für Transgender empfohlen, das ich mich an die Örtliche Selbsthilfegruppe für Trans Personen wenden sollte. An sich ist das ja auch eine gute Sache, wäre da nicht meine Dysphorie, die sich sehr schnell triggern lässt vom bloßen Anblick Feminin aussehenden Personen siehe (Dysphorie im Supermarkt).
Schon seit mehren spiele ich mit dem Gedanken dort hinzugehen, in diese Selbsthilfegruppe, aber ich kann es einfach nicht, mein Körper sagt mir ganz klar, nein, das geht nicht. Einer meiner größten Wünsche ist es auch, nicht mehr alleine sein zu müssen, denn die Einsamkeit ist auch ein nahezu unerträglicher seelischer Schmerz für mich. Ich hatte mir schon öfters gewünscht, die Möglichkeit zu bekommen, gezielt Personen aus dem Transbereich einzeln kennenlernen zu können und nicht in einer Gruppe in einem engen Raum wo ich dann wieder meine Reizüberflutung bekomme.
So nun habe ich sehr viel geschrieben über meine Dysphorie, aber es ist nur ein kleiner Teil von mir, vielleicht hört mir hier ja jemand zu oder möchte gar etwas mit mir schreiben.
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| 03.09.2026 um 23:20 |
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Von DWTxxxxxxx 264 Beiträge bisher
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re: Wie die Dysphorie mein Leben diktiert
Dein Text ist sehr mutig und ehrlich. Hut ab.
DU beschreibst deine Zustände ziemlich gut und wenn das alles auch so ist, sagst du schon ziemlich viel. Aber wie es hald in der Subjektivität ist, man sagt es zwar, hört es aber nicht.
Du stangniert schon seit einer gewissen Zeit, drehst dich im Kreis und kommst nicht weiter.
Dir stehen Dinge im Weg, die das verhindern. Wenn du da nicht rangehst, wird nichts, wirklich gar nichts besser mehr. Dabei sind es mehrere Themen, die du trennen kannst und nicht mehr nur das uneendlich große siehst, das eh zu viel ist. Was du aber machen musst, sind Dinge ändern. Wenn du nichts änderst, wird sich auch nichts zum Guten ändern.
1. Selbstbild - Da musst du ran. Wenn du jetzt anfängst, das geht nicht, ok. Dann bleibt es wie es ist. Im Aushalten hast du ja Kraft. Auch im Ändern? Dein äußeres Selbstbild beeinflusst dein Inneres. Wenn man da medizinisch sinnvoll ran kann - los. Wähle zwischen der Angst, das zu tun oder der Angest, dass sich nichts tut. Am Ende bist es aber du, der den Schritt gehen muss. Wenn du das nicht kannst und leugnest, dann lies auch nicht weiter! Dann machts keinen Sinn.
2. Dysphorie - so wie du es beschreibst. Ab zu einem Therapeuten. Ernsthaft. Das sind die Dinge solltest du da besprechen. Sonst baust du scheisse irgendwann. Da will keiner du am wenigsten. Das ist ein Thema, da bist du im Kopf vielleicht schon viel zu lange mit dir alleine beschäftigt, da macht es Sinn, es mal anders zu probieren.
Du brauchst da noch keine TV Selbsthilfegruppen etc, auch die Beratungsstellen sind noch nicht das richtige, soweit muss es erstmal kommen. Davor hast du andere Themen erst vor dir, mit dir selbst.
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| 04.09.2026 um 10:16 |
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Von LaCxxxxxxx 1460 Beiträge bisher
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re: Wie die Dysphorie mein Leben diktiert
Du verdienst es, einen Weg zu finden, auf dem das Leben erträglicher und irgendwann auch wieder freier wird. Bitte scheue dich nicht, dir für diesen Weg professionelle Unterstützung an die Seite zu holen.
Es tut mir unendlich leid zu hören, wie viel Schmerz, Druck und tiefe Verzweiflung der Blick auf diese Fotos und in den Spiegel in dir auslöst. Das Gefühl, das eigene Gesicht als fremd oder entstellt wahrzunehmen, und die damit verbundene intensive Selbstabwertung sind eine enorme psychische Belastung, die unglaublich viel Kraft kostet. Deine Reaktion – das Vermeiden von Spiegeln und Fotos – ist ein sehr verständlicher Schutzmechanismus deines Nervensystems, um dich vor diesem intensiven Trigger zu schützen.
Da man Behördengänge und Arztbesuche nicht komplett vermeiden kann, gibt es kleine, pragmatische Strategien, um den visuellen Trigger im Alltag zu minimieren:
Stecke einfach Karten so in den Geldbeutel, dass die Rückseite nach vorne zeigt.
Wenn du zu einem Arzttermin gehst, lege die Karte bereit, ohne hinzusehen, oder bitte (falls vorhanden) eine Vertrauensperson, die Anmeldung für dich zu übernehmen.
Du kannst alternativ die Fotoseite deiner Krankenkarte oder deines Ausweises in der Brieftasche mit einem kleinen, leicht ablösbaren Post-it oder einem undurchsichtigen Sticker (z. B. ein schönes Motiv oder eine neutrale Farbe) überkleben. Wenn du die Karte vorzeigen musst, kannst du sie so übergeben, dass du selbst nicht darauf schauen musst.
Es tut mir unglaublich leid zu hören, wie viel Schmerz und Belastung Du bei etwas so Alltäglichem wie dem Wocheneinkauf durchstehen müssen. Deine Strategie, in den späten Abendstunden einzukaufen, ist ein absolut nachvollziehbarer und kluger Schutzmechanismus, um Reizüberflutung und schmerzhafte Trigger zu minimieren.
Dass Du zudem in der Öffentlichkeit ausgelacht oder betuschelt wurdest, ist zutiefst verletzend und ungerecht. Niemand sollte wegen seines Aussehens so behandelt werden, und es ist völlig verständlich, dass diese Erfahrungen tiefe seelische Wunden aufreißen, deine Dysphorie verstärken und den Ekel vor dem eigenen Spiegelbild triggern.
Wenn der Druck zu groß wird, prüfe mal, ob Supermärkte in Deiner Nähe einen Abholservice anbieten. Bestelle online und hole dir die gepackten Tüten in wenigen Minuten ab. Mach ich auch so wegen Reizüberflutung, die ich nicht gut verarbeite.
Auch Lieferdienste können Dir den Gang in den Laden komplett ersparen, um Dir Phasen der Ruhe zu ermöglichen.
Der Austausch mit Gleichgesinnten (online oder offline), die ähnliche Erfahrungen mit Dysphorie oder sichtbaren körperlichen Veränderungen machen, kann enorm entlastend sein. Zu wissen, dass man nicht allein ist, nimmt oft ein Stück der Isolation.
Bitte passe gut auf dich auf und behalte deine schützenden Routinen bei, solange sie dir guttun.
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| 04.09.2026 um 11:50 |
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